- GESCHICHTE -


Bericht von Johann Schober:


Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts gab es in Arth zwei Vereine: die Feuerwehr und den Rauchklub. Letzterer bestand aus ledigen und verheirateten Männern und hatte sein Vereinslokal beim Kollmeder Wirt. Vorstände waren Johann Filser, Ludwig Sigl und Michael Hobmeier. Mit der Standarte fuhr man zu Fahnenweihen sogar bis Bad Tölz. Weil sich auch im Rauchklub das Generationenproblem bemerkbar machte, zogen die jüngeren Mitglieder zum Gasthaus Krieger am Dorfausgang, um einen eigenen Verein mit entsprechendem Programm zu gründen. Dies ist die Geburtsstunde des Burschenvereins geworden. Es war um das Jahr 1922. Ludwig Sigl wählte man zum ersten, Johann Stanglmayr zum zweiten Vorstand. An der Gründung beteiligt waren auch der Theologiestudent Georg Mayer und Kurat Simon Huber. Man griff dabei auf die Satzung des "Katholischen Burschenvereins für das Königreich Bayern" zurück.
Das Vereinsleben bewegte sich auf hohem Niveau. Neben jährlichen Theateraufführungen lernten die Burschen auch die Schönheit der bayerischen Heimat kennen. Mit einem Lastwagen des Bräus fuhr man z. B. zum Starnberger See und zur Wieskirche. Ein eigenes Burschenblatt bot der wissbegierigen Jugend genügend Lesestoff. Das Burschenwesen blühte in Bayern gewaltig auf. 1933 gab es 1549 Vereine mit 44 000 Burschen. Doch stellt dieses Jahr einen bedauerlichen Einschnitt dar. Hitler war an die Macht gekommen. Er wollte die ganze deutsche Jugend an sich reißen und vor allem die konfessionellen Jugendverbände stilllegen. Jedes öffentliche Auftreten, das Tragen der Standarte, Spiel und Sport wurden verboten. So wurde auch in Arth die Hitlerjugend gegründet, zunächst als freiwillige Organisation, dann mit Beitrittszwang. Als dann im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, mussten fast alle jungen Männer auf die schrecklichen Schlachtfelder ziehen.
Am 8. Mai 1945 war der grausame Krieg zu Ende, der auch aus Arth seine Opfer forderte. Junge Männer, die aus der Gefangenschaft bereits heimgekehrt, geflüchtet oder vertrieben waren, fanden sich am 25. Oktober 1945 im Gasthaus Kollmeder ein, um über die Wiedergründung eines Burschenvereins zu sprechen. Es waren dreizehn beherzte junge Menschen, die mit Optimismus und Hoffnung in die Zukunft blickten und den christlichen Glauben zur Grundlage des Vereinslebens wählten, weil man gesehen hatte, wohin eine Welt ohne Gott führt.
Mit Ludwig Stanglmayr als ersten und Simon Zwander als zweiten Vorstand ging man gleich daran, eine Bühne zu bauen, um wieder mit Theateraufführungen an die Öffentlichkeit treten zu können. Gerne las man die Jugendzeitschrift "Der Pflug", die gute Anregungen für das Vereinsleben anbot. Weil man für das Theater auch weibliche Personen brauchte, entstand innerhalb des Burschenvereins auch eine Mädchengruppe. Alle vier Wochen fand an einem Donnerstag ein Dorfabend statt. Dabei wurde auch eine Jungfrauenfahne gestickt. Das Material dafür stiftet Familie Brieller aus Niederarth. Das Vereinssymbol zeigte auf der Vorderseite die Muttergottes, auf der Rückseite den hl. Josef.
Einen Meilenstein in der Vereinsgeschichte bildete der 16. August 1953. Es war der Tag, an dem die neue Fahne feierlich geweiht wurde. Vierzehn Vereine nahmen an dem Fest teil, zu dem die Musikkapelle Lichtmannecker aus Landshut aufspielte. Als Fahnenmutter mit sechs Festjungfrauen fungierte die Gattin des Bürgermeisters, Therese Seemann. Der Patenverein kam aus Edenland. Zum Festgottesdienst zog man in die Filialkirche St. Katharina. Kurat Johann Fischer deutete in seiner Ansprache die Symbole der Fahne. Wie die zwei Freundschaftshände mit dem Christuszeichen auf der Vorderseite, so müssten auch die Burschen immer wieder Jesus die Hand reichen. Gleichzeitig fordere dieses Symbol auf, auch dem Nächsten immer wieder die Hand zu reichen. Auf der anderen Seite der Fahne sei die Kirche zu sehen. Sie stelle das Herz des Dorfes dar, in dem Christus immer gegenwärtig sei. Nach dem Gottesdienst legte 1. Vorstand Andreas Wittmann an einem eigens errichteten Ehrenmal einen Kranz nieder, und man gedachte der im 2. Weltkrieg gefallener Kameraden. Zum Festzug, der am Nachmittag durch den Ort führte, kam auch Landrat Graf Spreti aus Schloss Kapfing.
Im Lauf der Jahre wurde immer wieder im Vereinslokal ein bayerisches Volksstück aufgeführt, das sich stets regen Zuspruchs erfreute. Bei neun Primizen (von 1924 bei Georg Mayer bis 1994 bei Stefan Anzinger) beteiligten sich die Burschen und Mädchen eifrig an den Vorbereitungen. Auf dem Programm stehen heute Ausflüge, Fußballspiele gegen eine Mannschaft verheirateter Männer und der Einsatz für den Schutz der Umwelt. Das gesellige Leben kommt dabei nicht zu kurz.

Fahnenweihe der FFW 1950


Irene und Irmgard Kolbeck


Festmutter Theresa Seemann mit 2 Festmädchen


An einem eigens errichteten Heldendenkmal gedachte man der gefallenen Kameraden


Prachtwagen des Burschenvereins mit Alfred Göttal und Alfred Schipp sowie Erwin Pleick


Ludwig Stanglmayr


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